Gaijins unerwünscht: Albtraum ANA!

ANA – All Nippon Airways – bietet mehrere Direktverbindungen täglich von/nach Japan/Deutschland an. Auch innerhalb Japans bin ich schon mehrmals mit ANA geflogen, weil die Airline zu Star Alliance gehört und ich dort einen Vielfliegerstatus habe, was mir eigentlich Vorteile bereiten sollte. Nicht so bei ANA – irgendwie wird man den Gedanken nicht los, dass hier Gaijins (Ausländer) an Bord nichts verloren haben.

ANA ist technisch nicht wirklich auf dem neuesten Stand, die Kabinen wirken etwas in die Jahre gekommen, der Service ist „stets bemüht“ und hat leider massive Mängel, was Englisch-Kenntnisse angeht. Das mag auf innerjapanischen Flügen irgendwie noch zu ertragen sein, aber auf internationalen Flügen im Rahmen von Star Alliance ist das schlichtweg nicht zumutbar. Zum Vergleich: Lufthansa kommuniziert in drei Sprachen auf Japan-Flügen: Deutsch, Japanisch und Englisch.

ANA racism airline fail

Service? Nan desu ka?

Ich hatte über Lufthansa ein Ticket HND-MUC gebucht und ANA hat diesen Flug durchgeführt. Heisst also, dass ich ein zweitklassiger Passagier bin, der irgendwie mittransportiert werden muss – und zwar dieses Mal ohne die sonst üblichen Star-Alliance Service-Features.

1. Online Check In      

Als Lufthansa-Gaijin wurde mir nur ein einziger Mittelplatz zur Auswahl angeboten – sowas hab ich ehrlich gesagt noch nie erlebt, wenn ich pünktlich weit vor 24 Stunden des Abflugs einchecken will. Und das ist rein technisch auch Schwachsinn, weil mit derartigem Vorlauf niemals alle Passagiere bereits final eingecheckt sind. Offenbar bucht ANA Gaijins erst mal ganz bewusst auf die schlechten Plätze, damit für die eigene Kundschaft die besseren Sitze bereit stehen.

 

2. Check In Schalter in Haneda                                                                                                             

Nächster Versuch beim ANA-Schalter am Flughafen. Bei meinen gefühlt letzten 10 Flügen konnte ich mich auf Langstrecke immer upgraden: Entweder online oder ad hoc am Flughafen, weil irgendwelche Sitze auf den letzten Drücker immer frei bleiben – kein Problem bei Lufthansa, Thai, Singapore & Co. Nicht so bei ANA: Ich konnte weder upgraden (auch nicht gegen Geld), noch konnte ich meinen Mittelsitz wechseln, weil die Maschine voll war. Statt dessen wurde ich gezwungen, ein Teil meines Handgepäcks aufzugeben, weil nur 2 Teile erlaubt sind. Ja, steht überall dran, in der Praxis gehen aber 2 kleine Taschen und Köfferlein immer durch. Hab ich auch noch nie so erlebt! Zahlreiche japanische Mitreisende hatten übrigens durchaus mehr als 2 Täschlein mit an Bord, wie immer…

Haneda airport japan ANA
Flughafen Haneda Tokyo

3. Sondermenü und Angaben zu Inhaltsstoffen                                                                                                         

Ich hatte ein veganes Essen bestellt, was mir auch anstandslos gebracht wurde. Weiter wurden jedem Passagier eine Brühe zum Essen gereicht. Da asiatische Suppen oftmals irgendwie Fisch enthalten, habe ich auf Japanisch nach den Inhaltsstoffen gefragt: Darauf ist das Personal offenbar nicht vorbereitet, da die Standard-Antwort auch nach mehrmaligem nachfragen hiess “Do you want some more?“ NOOOO!!!!! Zum Vergleich: Bei Singapore Airlines wurde mir kürzlich zu einer veganen Mahlzeit Butter serviert – als ich das reklamiert habe, wurde das zum einen inhaltlich verstanden und ich habe einen Gutschein im Wert von 60€ erhalten.

 

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Die Übersicht des Inflight-Entertainmens an Bord

 

4. Weltfremd und anmaßend: Crime-Prevention Filmchen als Inflight-Entertainment!

ANA „Crime-Prevention / Travel Safety“ Videos: Ausländerfeindlich, rassistisch und diskriminierend! Im Unterhaltungsprogramm laufen zwei Filmchen in der Kategorie „Lifestyle & Travel“, die Japan-Touristen oder wen auch immer von kriminellen Handlungen abhalten sollen – oder sowas in der Art. Ganz konkret handelt es sich dabei um Eigenproduktionen von ANA. In den Videos werden „kritische“ Szenen von westlichen Schauspielern nachgestellt und entsprechend von einem Japaner kommentiert. Merkwürdig ist allerdings dabei, dass die Crime-Westler flüssig Japanisch sprechen, während sie sich durch Tokyo bewegen. Mal ganz im Ernst: Wäre es nicht sinniger, wenn die Kriminellen Englisch sprechen? Wen will ANA denn auf Japanisch damit erreichen? Das didaktische Konzept geht also schon mal nicht auf, wenn Ausländer über japanische Regeln informiert werden sollen. Inhaltlich geht es übrigens um „Crime-Delikte und Safety Features“ wie Telefonieren im Bus, Rauchen auf der Strasse oder sog. Kobern.

Wenn ANA als Airline nur ansatzweise über Sitten und Gebräuche in anderen Ländern informiert wäre, so wäre klar, dass Telefonieren in Öffis ebenfalls in anderen Ländern ein NoGo ist, Indoor-Rauchen in Japan zwar oft erlaubt ist, aber in Deutschland durchaus striktere Nichtraucher-Regeln herrschen und dass Kobern nicht nur in Roppongi oder Kabukichō der Fall ist, sondern quasi an allen Touri-Spots der Welt vorkommt. Man muss sich hier wirklich mal die Frage stellen, wie weltfremd und diskriminierend offenbar die verantwortlichen Leute aus dem ANA-Marketing sein müssen, um so etwas allen Ernstes ihren Gästen vorzusetzen.

star alliance

5. Durchsagen an Bord                                                                                                              

Direkt nach der Landung, als das Flugzeug seine finale Parkposition erreicht hatte, kam es zu einer Verzögerung beim Aussteigen. Ganz konkret war das Problem, dass die Gangway nicht umgehend an die Tür gebaut werden konnte und es kam zu einer Wartezeit von ca 20-25 Minuten. Wie immer standen bereits die meisten Leute in den Gängen, ohne dass mit dem Aussteigen begonnen werden konnte – der übliche Irrsinn. ANA hielt es aber nicht für nötig, die Gaijins an Bord angemessen über den Stand der Dinge zu informieren. Auf Japanisch gab es eine ausführliche Ansage zu dem Problem und die Bitte noch etwas zu warten.                                                                                                                Auf Englisch hiess es einsilbig: „The captain says we can´t board now. Thank you for you cooperation“.  Diese Ansage wiederholte sich noch zwei Mal, jedesmal ohne eine Angabe zu dem Problem – dies durften nur die japanischen Gäste erfahren. Bei einer weiteren Ansage, hiess es „Please watch your step and hold the handrail!“ – wohlbemerkt bewegte sich da immer noch nichts und es gab weitere 10 Minuten Wartezeit, bis es ans Aussteigen ging. Und mal ganz im Ernst: Ich habe noch nie Handrails in Fluggastbrücken gesehen… Offenbar hat die ANA-Flugbegleiterin einfach den falschen Satz abgelesen, ohne ansatzweise zu verstehen, was sie da überhaupt von sich gibt.

***

Fazit: ANA bringt die viel diskutierte japanische Ausländerfeindlichkeit ganz offen zum Ausdruck und lässt sich dafür auch noch fürstlich bezahlen. Es gibt in Japan diverse Restaurants, Bordelle oder sonstige Einrichtungen, die ganz klar für Ausländer nicht zugänglich sind. Ok – bitte, muss man nicht haben.

Aber wenn eine Airline auf internationalen Flügen keine Ausländer an Bord haben will, sollte sie mal dringend ihr Geschäftsmodell überdenken. Insbesondere hinsichtlich der Olympiade 2020 in Tokyo wäre es mal an der Zeit, nicht per se alle Gaijins als Bedrohung zu sehen. 

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