Vegan in Tokio – Trend oder Tradition?

Der Hunde-Shōgun und das verbotene Fleisch

Vor einiger Zeit, im Jahre 1687, wurde von dem Shōgun Tokugawa Tsunayosh ein Gesetz erlassen, welches den Schutz von Tieren verordnete. Drakonische Strafen wurden erteilt, sollte ein Tier, inklusive Insekten, misshandelt oder getötet werden. Im Zuge dieser Bewegung liess der Shōgun streunende Hunde einsammeln damit diese auf Staatskosten versorgt wurden, gefangene Vögel wurden frei gelassen. Klingt nach einem Paradies! Nach Arche Noah, … und nach Märchen – aber das ist tatsächlich ein Stück dokumentierte Geschichte.

Das ganze Land lebte vegetarisch. Durch die pflanzenbasierte Nahrung mit Reis und Seetang werden viele Japaner nach wie vor sehr alt. Etwa 61.000 Japaner sind über 100 Jahre alt. Das spricht ganz deutlich für sich!

Als der Kaiser Meiji Ende des 19. Jahrhunderts das weitgehend abgeschottete Land dem Westen gegenüber öffnete, war Fisch zwar mittlerweile populär, Fleisch setzte sich aber nur schleppend durch. Milchprodukte waren eher unbeliebt, wegen einer weit verbreiteten Laktoseintoleranz. Auch Käse ist nach wie vor selten und ist dementsprechend relativ teuer.

Keith Haring Artwork

Mainstream-Meat und versteckter Fisch

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet:

Heute sind fleischfreie Restaurants leider in der Unterzahl und die veganen Optionen auf normalen Speisekarten sind eher bescheiden. Zwar findet man viele Gerichte mit Tofu, dennoch wird viel Fischsauce oder Fischbrühe in den Gerichten verarbeitet, was manchmal schwer zu erkennen ist.

Auch im Fast-Food oder Konbini ist es manchmal wirklich nicht einfach, etwas Veganes zu finden: In vielen Bento Boxes und Sandwiches sind Eier oder Mayonaise versteckt und manchmal gibt es nur Salate, in denen Fleischbrösel rein gestreut wurden.

Teilweise gibt es auch eine sehr eigenwillige Auslegung der Begrifflichkeiten, da Fisch und Fleisch einen sehr unterschiedlichen Stellenwert haben: Vegetarismus scheint für viele der lediglich Verzicht auf Fleisch zu sein, aber nicht auf Fisch. Fragt man beispielsweise nach einem vegetarischen Salat, so kann es sehr gut sein, dass man ein Modell bekommt, in denen dezent ein paar Shrimps eingearbeitet wurden.

Generell ist Tofu in der japanischen Küche etablierter als im Westen – das heisst aber auch, dass Tofu eben nicht nur als Fleischersatz eingesetzt wird und dementsprechend nur von Fleischverzichtern gegessen wird, so wie das bei uns der Fall ist. Die klassische Miso-Suppe besteht aus einen Thunfisch-Fond und Tofuwürfeln – Tofu wird also gerne mit non-veg Zutaten kombiniert.

 

Die vegane Extrawurst

Sonderwünsche bei Bestellungen in Restaurants oder bei Bringdiensten sind in Japan total unüblich. So wie ein Gericht auf der Karte steht, so wird es auch geordert. Fragt man nach, ob man die Bratkartoffeln auch ohne Speck bekommen kann, so ist das nahezu unmöglich. In dieser Hinsicht wirkt die Gastro-Kultur häufiger mal etwas unflexibel – die Ursache liegt darin, dass der Koch der die Karte kreiert hat, seine Gerichte als perfekt ansieht und man als Gast nicht daran rumnörgelt. In diesem Fall muss man auf Beilagen ausweichen und diese irgendwie kreativ kombinieren. Manche bestellen auch Tierprodukte und lassen diese dann liegen. In meinen Augen ist das eine abartige Verschwendung sondergleichen und ethisch betrachtet, absolut nicht vertretbar.

Vegane Restaurants in Tokio

Mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein und dem grünen Trend steigt die Nachfrage an nachhaltigem, veganem Essen.

Seit ein paar Jahren eröffnen nach und nach immer mehr veggie Cafés und Restaurants in Tokio und die fleischfreien Optionen in non-veg Läden verbessern sich zunehmend.

Vegane Restaurants findest du übrigens unterwegs sehr gut mit der App „HappyCow“.

Hier eine kleine Restaurant-Auswahl für verschiedene vegane Richtungen in Tokio:

1. Ain Soph.Jouney in Shinjuku (Shinjuku-Sanchome): Super Mittagstisch mit einer Suppe oder einem Salat im Set. Curries, Wraps und der vegane Pancake sind die Renner in dem Laden. Es gibt noch eine Filiale in Ginza.

2. Cori: Vegan Street Food bei einem coolem „Foodtruck“ in Aoyama. Hier gibts Gesundes to Go und leckere Snacks.

Einfach mit der Bahn bis Omote-Sandō und dann ein paar Meter weiter gehen bis zur Commune 246, einem Kreativzentrum für Kunst und alternatives Leben – dort findest du Cori.

3. T´s: Vegan Ramen in Tokyo Station – dieses Restaurant hat sich auf Ramen und gute Curries spezialisiert, die allesamt ohne Tierprodukte auskommen. Im Bereich der Keiyo Line (Keiyo Street) im Bahnhof findest du den Laden.

4. Pita the Great – unter der Woche ein yummy Spot für Falafel und Sandwiches aller Art. Es gibt sogar eine kleine Terrasse, falls man nicht ToGo möchte. Tameike Sanno Station (Akasaka), der Eingang ist bei ATT, im 1 Stock (2F).

5. The Pure Café in Harajuku: Hier gibt es klasse Frühstück und auch einen bezahlbaren Mittagstisch. Ausserdem gibt es sehr gute vegane Backwaren.

Auf diesen Seiten findest du weitere Restaurants, Inspiration und Infos zum veganen Leben in Tokio:

JapanVegan

Time Out

Fancy Restaurants bei The Culture Trip

Auch für diejenigen, die einfach mal gesund und lecker essen möchten, lohnt sich ein Abstecher in die veganen Spots in Tokio -es muss eben nicht immer was vom Tier sein, um genussvoll unterwegs zu sein.

Hier gehts weiter nach Akihabara – der Otaku-Himmel in Tokio.

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3 Gedanken zu “Vegan in Tokio – Trend oder Tradition?

  1. Pingback: Quick and Easy: Kohlwickerl mit Pü` – Vegantine

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