Solo-Travel in Japan: Wie ist es wirklich?

Als alleinreisende Frau werde ich häufig danach gefragt, ob das denn sicher sei? Ob das nicht einsam wäre? Und wie das alles so funktioniert.

Vorab sei gesagt, dass man als Frau solo sehr gut auf der Welt klar kommt, mit Ausnahme der Länder, für die eine Reisewarnung seitens des Äuswärtigen Amtes besteht. Auch muslimische Länder können ganz klar problematisch für alleinreisende Frauen sein, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen. Viele Länder Asiens und insbesondere Japan sind hingegen sehr sicher und Frauen, die auf eigene Faust das Land erkunden, werden hier nicht schräg beäugt. Single-Haushalte sind in Japan keine Ausnahme und die Zahl der unverheirateten Frauen steigt mit wachsender Beschäftigung. Das klassische Bild der japanischen Hausfrau ist nicht mehr das, was ein vor ein paar Jahren einmal war. Emanzipation läuft in Japan etwas anders als in Deutschland, aber das ist ein anderes Thema.

Das Vorurteil „Einsamkeit“ auf Solo-Reisen: Ich habe mich in all den Jahren niemals einsam auf Reisen gefühlt – eher im Gegenteil: Meist bin ich den ganzen Tag mit Leuten in Interaktion, sodass ich mir meine „Ich-Oasen“ regelrecht suchen muss, um all die Eindrücke zu kompensieren. Einsam sind für mich die Paare, die neben mir schweigend im Restaurant sitzen, weil sie sich (auch unterwegs) nichts mehr zu sagen haben. Oder Reisegruppen, die neue Orte eher als Fotokulisse interpretieren, als in neue Welten einzutauchen. Meiner Meinung nach, wächst man mit Solo-Reisen und lernt viel Neues und Wichtiges für das eigene Leben und über sich selbst.

Heute habe ich dir meine Top Ten Fakten zusammengestellt, wenn du als Frau alleine nach Japan reisen möchtest – als Mann kannst du sicherlich auch das eine oder andere davon mitnehmen.

 

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#1 Japan ist sicher

Diebstahl, Scam oder Gewaltdelikte gegenüber Reisenden finden so gut wie nicht statt. Eher im Gegenteil: Lässt man sein Handy oder Geld irgendwo liegen, wird es einem hinterher getragen (das gilt auch für wohl gemeintes Trinkgeld – denn es gibt keinen Tipp dort). Selbstverständlich bist du als Solo-Traveler immer mit einer gesunden Portion Wachsamkeit beraten. Dazu gehört sicher verschliessbares Gepäck, kein exzessives Nachleben mit Filmrissen etc und verlässliche Planung von Zeit und Budget.

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#2 Englisch in Japan

Die Englisch-Kenntnisse sind meist nicht so dolle, reichen aber an den Touri-Spots aus. So manchen Produkten werden zwar gern englische Namen gegeben, aber nach einer englischen Produktbeschreibung auf der Verpackung sucht man dann vergeblich. Viele Konbinis haben ein paar englisch benannte Produkte im Programm, aber stichhaltiger sind meist Abbildungen und Bilder. Die grossen Verkehrsschlagadern, wie die Yamanote-Line haben englische Ansagen im Programm, aber im tiefsten Japan siehts anders aus… Tipp: Lege dir ne Chipkarte (Suica) mit Guthaben für Bahn-Tickts zu, das erleichtert ungemein – einfach Karte am Gate auflegen und kein umständliches Preis-Raussuchen mehr. Ansonsten ist Google-Maps hilfreich bei der Navigation.

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#3 Washlets: Die Damen-Toiletten in Japan

In den meisten öffentlichen Örtchen wird zwischen westlicher und asiatischer Toilette unterschieden. Dazu gibt es optionale Funktionen, um Musik oder Wassergeräusche auf Knopfdruck spielen zu lassen, wenn das nicht eh schon automatisch ertönt. Dazu gibt es bewegliche Bidet-Sprüher für Frauen, die es so im Westen nicht gibt. Aufgepasst: Meist sind die fancy Funktionen auf einer Art Fernbedienung angebracht, der „Flush“-Knopf ist aber gerne direkt am Spülkasten. Weiter kannst du in Japan dein Gepäck oder Tüten im Vorraum stehen lassen und musst es nicht mit in die Kabine nehmen, das ist hier so üblich. Tampons sind in Japan eher nicht so gängige Artikel und wenn nur sehr teuer in amerikanischer Ausführung zu erstehen. Offenbar nutzen Japanerinnen lieber Binden, denn die gibts überall. Weiter ist Deo ein Import-Produkt – dementsprechend teuer und selten ist es. Ebenfalls ist die Anti-Pille längst nicht so verbreitet – sie gilt als eher schräges, westliches Produkt, was fett macht und bestenfalls gegen Akne eingenommen wird, gegen japanisches Rezept versteht sich.

 

 

#4 Host-Clubs

In Tokyo und Osaka gibt es ganze Strassenzüge, in denen sich ein Host-Club an den anderen reiht. Das sind Etablissements für Frauen, in denen sie sich mit den Hosts einen feucht-fröhlichen Abend machen. Offiziell geht es aber nur um Gesellschaft und nicht mehr. An den Fenstern dieser Clubs kleben meist die zurecht gemachten Jünglinge in Überlebensgross, um so die zahlungswillige Kundschaft anzulocken. Kurzum: Es handelt sich hier um Bars, die es so nur für Männer im Westen gibt. Aber Achtung: Der Schampus fliesst hier in Strömen und lässt die Kreditkarten glühen. Und: Viele der Host-Clubs richten sich nicht an Ausländerinnen, sondern an Japanerinnen – daher ist Vorsicht geboten, wenn du irgendwelche Flyer etc in die Hand gedrückt bekommen solltest.

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#5 Women only: Die pinken Waggons während der Rush-Hour

Wegen der chronischen Überfüllung zu Stosszeiten werden in Tokyos Metro pinke Waggons eingesetzt – Zutritt haben nur Frauen ggf mit Kindern. Männer sind hier tabu – darüber wacht auch immer eine Schaffnerin in den Waggons. Zwar gab es keine massenhaft sexuellen Übergriffe in Japan, aber viele Frauen fühlten sich einfach unwohl, eingezwängt zwischen vielen Männern. In den pinken Waggons ist es übrigens immer weitaus leerer und auch während der Rush-Hour hat frau auch die Chance auf einen Sitzplatz. JR/Japan Railway setzt diese beispielsweise als Pendelzüge zwischen Yokohama und Tokyo ein. Übrigens: Mit japanischen Smartphones ist es nicht möglich, geräuschlos ein Foto zu machen. Das wurde eingeführt, um zu vermeiden, dass in überfüllten Zügen „ungewollt“ Bilder unter Mini-Röcken etc entstehen…

 

 

#6 Schönheitsideale

Kawaii – also niedlich ist das NonPlusUltra, wenn es ums Äußere geht. Grosse Augen, eine hohe, fiepsige Stimme, und ein zierliches Figürchen sind absolut erstrebenswert. Weiter ist ein heller Teint Pflicht, deshalb sind nahezu alle Pflegeprodukte mit sog „Whitening“ (Aufheller) angereichert. Auch westliche Marken wie Nivea, verkaufen Aufheller im grossen Stil in Nippon. Ich habe selber schon solche Produkte genutzt, sie sind mehr oder weniger intensiv, wenn man eh schon eine helle Haut hat. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es der Haut wirklich gut tut, sie konsequent zu bleichen. Wenn dir der ganze Hype ums „Whitening“ also eher etwas heikel erscheint, packe genügend eigene Pflege mit ein. Weiter ist Körperbehaarung ein NoGo: Arme, Beine und was sonst noch so zu sehen ist, sollte glatt sein.

 

 

#7 Shopping

Japan ist das Land der Einheitsgrösse: Konfektionen von 32 bis 46? Vergiss es! Die japanische Schneiderkunst produziert in maximal I oder II, das betrifft zum Teil auch die Schuhe. Grosse Größen, insbesondere für Männer sucht man hier vergeblich – das ist seltene Import-Ware. Wenn du irgendwas zwischen 32-38 trägst, hast du gute Chancen, etwas bei japanischen Marken zu finden, alles andere wird schwierig. Die genormten Schuhgrössen für Frauen bewegen sich zwischen 34-38.

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#8 Schuhe aus!!!

Wie häufig in Asien, werden Schuhe ausgezogen: Vor Tempeln, vor Wohnungen, teilweise in Büros, Krankenhäusern, Arztpraxen, Restaurants, Umkleidekabinen undundund. Meist weist ein kleiner Absatz oder ein Zeichen drauf hin, dass dort die schuhfreie Zone beginnt. Aber mach dich drauf gefasst: Jeder Westler macht früher oder später den Fehler und trampelt mit Schuhen in die heilige Zone. Ein weiterer Klassiker sind die Klo-Schuhe (Plastikschlappen), die in Restaurants bereit stehen – mit ihnen an den Füssen wieder im Gastraum zu stehen, passiert so einigen Reisenden…

 

 

#9 Sicherheitswahn

Japaner sind ein gebeuteltes Volk, was Erdbeben, Tsunamis und atomare Strahlung betrifft. Sicherheit hat daher Prio Nr.1. Dabei scheint es aber egal, ob es sich um vermeintlich banale Dinge, wie Fahrstühle, Rolltreppen, oder Anschnallgurte handelt – eine Dauerberieselung von Sicherheitshinweisen ist in Japan ein stetes Hintergrundrauschen, was permanent vorhanden ist. In der Metro gibt es saisonale Sicherheitshinweise und an Bord eines Flugzeuges brabbelt es nahezu nonstop aus dem Off. Das ganze findet aber auf Japanisch statt  – und selten auf Englisch. Japaner scheinen zum Teil auch sehr kreativ, neue Gefahrenherde zu erschaffen, um so gekonnt neue Sicherheitshinweise droppen zu können. So ist „kalter Regen“ in den letzten Jahren zu gefühlt einer nationalen Gefahr in die Top Ten avanciert. Beispielsweise warnen mich japanische Freundinnen immer online, falls es wieder „kalten Regen“ geben könnte „We have cold rain today – please be careful!“ So hört sich das dann an – und draussen dröppelt es leicht vor sich hin. Mit ner hausgemachten Hamburger Sturmflut hat der „kalte Regen“ jedenfalls nichts gemein.

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#10 Die Solo-Frau in der japanischen Gesellschaft

Wenn ich in den grossen Städten wie Tokyo, Osaka, Fukuoka, Kyoto etc als Solo-Traveler unterwegs bin, ist es auffällig wie viel „Solo-Kultur“ es dort gibt. Viele Tische in Coffee-Shops, Restaurants und Cafés scheinen auf Solo-Gäste ausgelegt zu sein. Eine Vielzahl der Tische ist für eine oder maximal zwei Personen gedacht, Gruppentische sind nicht (mehr) vorhanden. Die meisten Gäste kommen alleine und von daher ist frau in guter Gesellschaft unter anderen Single-Gästen. Alleine zu speisen oder im Café zu dösen ist eher die Norm, Gruppen und Familien mit vielen Kindern sind fast die Ausnahme oder sie gehen in „Family-Restaurants“. Männer und Frauen sitzen gleichermassen aufs Handy starrend an ihren Tischen und als Solo-Reisende wird man dort nicht schräg beäugt. Auch ist es in Japan nicht nötig, Notlügen oder Fake-Eheringe bezüglich es Familienstandes parat zu haben: In muslimischen Ländern, aber beispielsweise auch in Vietnam habe ich bereits beherzt zu Notlüge gegriffen, wenn mir dämliche Fragen gestellt wurden, weil Einheimische kulturell bedingt ein anderes Frauenbild haben – nicht schlimm, aber besser frau ist darauf vorbereitet…

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Reist du gerne alleine oder hast es vor? Lass mir gerne einen Kommentar da!

Wenn du eine Reise nach Japan planst, sind der Frühling und der Herbst die perfekte Jahreszeit: Lies hier weiter, wenn du mehr über die Sakura/Kirschblüte und den magischen Herbst in Nippon erfahren möchtest. Hier gehts um kostenloses Internet in Japan und hier sind die Tipps der Locals in Sachen günstigem Essen!

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5 Gedanken zu “Solo-Travel in Japan: Wie ist es wirklich?

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