Die Kirschblüte: Hanami und Sakura – Japan im Ausnahmezustand!

Unterwegs im Blütenrausch: Der Shinjuku Gyoen National Park

Die Kirschblüte (Sakura) ist das Zeichen der Vergänglichkeit in der japanischen Kultur und sie steckt voller Symbolik. So werden zu dieser Zeit gerne neue Arbeitsstellen angetreten und andere wichtige Lebensentscheidungen in diese bedeutungsschwangere Zeit im Frühjahr gelegt.

Anders als bei uns, wo ja auch Kirschbäume gedeihen, wird die Sakura hier als nationales Heiligtum behandelt. In den Parks stehen spezielle Züchtungen der Kirschbäume und der exakte, volle Stand der Blüte ist das Thema Nummer eins. Auch die verschiedenen Stadien der Blütenpracht (Knospe, volle Blüte und das Abwehen der Blätter) sind eine Wissenschaft für sich.

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Die Sakura beginnt im März im Süden Japans, zieht dann über Honshu (die Insel, auf der Tokio liegt) und endet dann Mitte Mai nördlich in Hokkaido.

Generell dauert das Spektakel, in denen die Hanamis sind (ausschweifende Feierlichkeiten unter den blühenden Bäumen) nur wenige Tage, da die Blüte nur kurz hält. Der Stand der Kirschblüte und deren Wanderung werden häufig im TV durchgegeben und beispielsweise auch auf den Screens in den Zügen. Zu dieser Zeit scheint ganz Japan in zartes Weiss-/Rosa getaucht zu sein. Dementsprechend gibt es Sakura-Special-Editions für alle erdenklichen Produkte. Im Frühling gibt es auch zahlreiche Speisen im Sakura Look oder mit Sakura-Geschmack, der aber nicht Kirsche sein muss, aber gerne eine zart liebliche Geschmacksnote sein kann.

 

Zweifelsohne ist der Gyoen Park eine der schönsten Anlagen in Tokio. Früher gehörte der Garten zum kaiserlichen Besitz, wurde aber nach dem zweiten Weltkrieg für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu dieser Zeit wurde der Park umstrukturiert und so finden sich hier heute eine Rosenanlage im französischen Stil, ein englischer Garten und die klassische japanische Gartenlandschaft inklusive einem Teehaus und Teich.

 

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Der Park ist riesig und für einen Besuch solltest du mindestens zwei Stunden einplanen, fünf Stunden gehen auch schnell um, wenn man eine grosse Runde dreht. Im Park ist für alles gesorgt – kleine Shops bieten Getränke, Snacks & Co an, es gibt viele Waschräume und extra Raucherecken, da der Park sonst Nichtraucherzone ist. Der Müll wird hier strikt in vier bis fünf Kategorien getrennt. Ist aber alles bestens auf Englisch ausgeschildert.

Der Klassiker ist das Picknick im Park: Dazu gehört eine Plane, auf der du sitzt (Schuhe bitte ausziehen), ein paar Getränke und eine Bento Box oder andere Snacks. Oder du gesellst sich zu den Blütenfotografen und Blütenmalern (davon gibt es auch eine ganze Menge). Gerade zu Beginn der Kirschblüte, wenn die ersten Frühblüher in zartes Rosa gehüllt sind, steht immer eine Traube Fotografen um den Baum und verbringt Stunden damit, das perfekte Sakura-Bild zu einzufangen.

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Der Zauber der Kirschblüte

Die Zeit der Kirschblüte lullt ganz Japan in eine unverwechselbare Stimmung – berauscht von der unfassbar schönen Blütenpracht, ist dies der offizielle Beginn der warmen Jahreszeit, die im Herbst mit dem roten Laub endet. Zum anderen herrscht in den Parks, insbesondere zu den Hanamis eine regelrecht beschwingte Stimmung. Ganz Japan scheint draussen zu sein, um die Blüten zu feiern. Dieser Brauch reicht bis in die Heian-Zeit (794—1185) zurück. Damals versammelten sich die Adeligen, um die Blüten zu bewundern und demnach wurde auch erste Sakura-Lyrik verfasst.

Nach etwa zehn Tagen praller Blütenpracht rieseln die Blütenblätter in einem „Sakura Fubuki“ herab, das bedeutet etwa soviel wie lieblicher Blütenschneesturm. Auch dieses einmalige Schauspiel lässt seinesgleichen suchen. Ein besonders schöner Spot für dieses Spektakel ist der Meguro River in Tokio. Kirschbäume säumen das Ufer und bilden quasi einen Blütentunnel.

Die Sakura ist tief in der japanischen Ästhetik verankert: So ziert die Blüte zahlreiche Haushaltsgegenstände, Kleider, Kimono, Möbel etc. Auch im Film, der Musik und in der Literatur geht es oft und gerne um die Sakura und deren mystische Vergänglichkeit. (Ein sehr gelungener deutscher Film über das Thema hat Doris Dörrie vor ein paar Jahren rausgebracht: Kirschblüten – Hanami)

Uralten Überlieferungen nach, sollen auch die Samurai die Sakura als Sinnbild für ein vollkommenes und/aber kurzes Leben stilisiert haben.

Gyoen National Park – das blühende Paradies in Shinjuku

Der Gyoen Park ist eine gelungene Abwechslung bei einem Besuch im ultra-urbanen Tokio. Die Gartenarchitektur und die Artenvielfalt sind Ästhetik pur und sind eng mit der japanischen Kultur verwoben. Der Park ist zu jeder Jahreszeit hinreissend und ist ein Fest für die Sinne, da viele Pflanzen bis in den Spätsommer blühen. Im Herbst tauchen die Bäume ihr Laub in tiefe Rottöne, was ebenfalls festlich zelebriert wird.

Der Gyoen Park liegt sehr zentral und ist easy mit der Bahn über Shinjuku Station oder über Shinjuku-Gyoemmae erreichbar. Im Park findet man sich sehr gut zurecht, da überall Maps und Schilder angebracht sind. Der Park hat täglich bis 17.00 Uhr geöffnet und kostet schmale 200 Yen (ca 1,60 €) Eintritt.

 

 

Der Gyoen Park hat seinen eigenen, wirklich liebenswerten Charme. Auch wenn man kein Hobbygärtner ist oder bislang nicht viel mit blühenden Obstbäumen anfangen konnte, ist die Stimmung im Frühling einmalig. Ein unvergessliches Happening, das du dir nicht entgehen lassen solltest.

Hier gehts weiter nach Shibuya mit einem Abstecher in den Yoyogi-Park, oder zu einem Streifzug durch Tokios Museen.

 

 

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